Ausländischer Führerschein ohne MPU?

Im Jahr 2006 ist mir der Führerschein entzogen worden, weil ich betrunken (mehr als 1,6 ‰) Auto gefahren bin. Eine Sperrfrist für die Wiedererteilung der Fahrerlaubnis von 15 Monaten wurde verhängt. Die Sperrfrist ist inzwischen abgelaufen. Ich möchte den Führerschein wieder erwerben, aber ich müßte zur MPU. Das würde ich, nicht zuletzt aus Kostengründen, gerne vermeiden. Im europäischen Ausland könnte ich einen Führerschein erwerben ohne MPU. Muß die deutsche Fahrerlaubnisbehörde einen ausländischen Führerschein nicht ohne jede Formalität anerkennen?


Eingestellt am 21.03.2008
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5 Kommentare zum Artikel "Ausländischer Führerschein ohne MPU?":

Am 24.03.2008 schrieb RA Harald Andres folgendes:
In zwei Entscheidungen des EuGH (vom 29.04.2004 - "Kapper" und vom 06.04.2006 - "Halbritter") hat der Europäische Gerichtshof entschieden, daß die deutsche Führerscheinstelle eine im Ausland (ohne MPU) erworbene Fahrerlaubnis anerkennen muß, obwohl nach deutschem Recht eigentlich eine MPU durchgeführt werden müßte. Die Hoffnung, die viele Betroffene dadurch auf Erwerb einer Fahrerlaubnis ohne MPU hegten, war jedoch trügerisch, denn die deutschen Behörden machten in zahlreichen Fällen eine auf Grundlage der genannten Entscheidungen erteilte Fahrerlaubnis nach kurzer Zeit wieder rückgängig. Dies beispielsweise, weil ihnen bekannt wurde, daß der Inhaber des ausländischen Führerscheins wiederholt Zuwiderhandlungen im Straßenverkehr unter Alkoholeinfluß begangen hat; daß diese Verstöße meist vor der Erteilung des ausländischen Führerscheins begangen worden waren, ist für die Anordnung der MPU nach Meinung einzelner Gerichte ohne Belang. Schon bisher war dieser Weg also ein unsicherer. In jüngster Zeit hat sich diese Rechtslage weiter zu Ungunsten der Antragsteller verändert. Denn in einem Vorlageverfahren zeichnet sich eine Änderung der Rechtsprechung des EuGH ab, dahingehend, daß er von einem Mitgliedsstaat wie bspw. Deutschland nicht mehr den völligen Verzicht auf jede Nachprüfung verlangt, wenn es um die Frage geht, ob ein ausländischer Führerschein anerkannt werden soll. Deswegen kann ich Ihnen nicht empfehlen, den Führerschein im Ausland neu erwerben, um ihn dann zum Fahren in Deutschland zu verwenden. Es spricht vieles dafür, daß diese „Rechnung“ nicht aufgehen wird.
Am 05.01.2011 schrieb (anonym) folgendes:
Mir wurde der Führerschein wegen einmaligem Kokskonsum abgenommen. Obwohl ich alle Vorbereitungen gemacht habe, den Führerschein in Deutschland wiederzubekommen (Urinkontrollen, 6x MPU Vorbereitung – der Spaß hat mich zirka 3500 € gekostet), bin nicht durchgekommen.
Reine Geldmacherei - ich bin nach Griechenland gefahren, habe mich dort für 6 Monate und ein paar Tage angemeldet und habe dort den Führerschein erworben. Ich habe einen Auslandsführerschein seit einem Jahr, und fahre wieder hier in deutschland seit 12 monaten ganz normal.
Ich bin seither bestimmt 30-40x angehalten worden. Da ich fast immer nachts unterwegs bin, kommt das öfter vor. Die konnten mir bis jetzt den Führerschein nicht abnehemen. Zwar muß ich ständig vor Ort Urinkontrollen machen, aber egal. Es ist richtig schön der Polizei ins Gesicht zu schauen und zu zeigen hier ich habe mir den Führerschein wieder geholt.
Wichtig für alle aus Deutschland, die einen ausländischen Führerschein machen möchten: 1. abmelden aus Deutschland - nicht als zweiter Wohnsitz oder erster, sondern komplett abmelden. 2. Keine Zahlungen wie zum Beispiel Hartz4 oder sonstiges 3. kein Girokonto bewegen, kein Geld abheben 4. Kein Fahrverbot oder Sperrfrist in Deutschland
mfg

Bearbeitet am 05.01.2011 von

Am 05.01.2011 schrieb RA Harald Andres folgendes:
Vielen Dank für Ihren Beitrag und herzlichen Glückwunsch für das Erwerben des griechischen Führerscheins. Sie schreiben, Sie hätten den ausländischen Führerschein seit einem Jahr. Wenn das stimmt, wäre er nach dem 19.01.2009 ausgestellt - dann würde der griechische Führerschein aufgrund der vorherigen Entziehung in Deutschland nicht anerkannt (vgl. meine Beiträge "Anerkennung ausländischer Führerscheine in Deutschland" und "Ende des Führerscheintourismus").

Was Sie schreiben, ist denkbar, wenn

  • der griechische Führerschein schon etwas älter ist und vor dem 19.01.2009 ausgestellt wurde, oder
  • in den 30 bis 40 Kontrollen die Tatsache, daß Ihnen früher einmal die Fahrerlaubnis entzogen worden ist, nicht aufgefallen ist (was ich für sehr unwahrscheinlich halte).

Ihre Tipps am Schluss Ihres Beitrags beziehen sich auf die Umgehung des Wohnsitzerfordernisses. Sie ändern aber nichts daran, daß nach derzeitiger Rechtslage ein ausländischer Führerschein in Deutschland nicht anerkannt wird, wenn zuvor in Deutschland die Fahrerlaubnis entzogen war.

Bearbeitet am 05.01.2011 von RA Harald Andres

Am 21.04.2011 schrieb (anonym) folgendes:
Hsllo ich bin im april 2008 ohne führerschein mit 1,65 promille angehalten worden, auf einem öffentlichen parkplatz. Habe 12 monaten sperrfrist bekommen die ist nun vorbei. Habe antrag gestellt auf erteilung der Fahrerlaubnises ich wurde zu MPU geschickt. Bin durch gefallen. Jetzt die fragen muss ich überhaupt MPU machen ob wohl ich nie ein führerschein hatte????
Am 25.04.2011 schrieb RA Harald Andres folgendes:
Klare Antwort: ja. Die Führerscheinbehörde hat wegen des Vorfalls vom April 2008 Zweifel an Ihrer Eignung zum Führen von Kraftfahrzeugen. Diese Zweifel müssen Sie durch eine MPU ausräumen. Das gilt unabhängig von der Frage, ob Sie jemals einen Führerschein hatten.

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